Achtsamkeit, Allgemein, Liebe

Bist du normal?

Es ist für mich verwunderlich, wie sehr dieser Hype zur Normalisierung gefeiert wird. Vor allem in den Sozialen Medien wollen sogenannte Influencer, schwere Leiden wie Depressionen und Boderline als etwas „normales“ darstellen. Liberale Anhänger möchten LTBQ+, polyamore Beziehungen und die körperliche Entstaltung von selbsterklärten Transgender Kinder als etwas „normales“ verkaufen. Scheidungen, getrennte Familien und Beziehungsbrüche sollten als „normal“ gelten. Abtreibungen, Drogen und casual Sex werden gefeiert. Pornos, OnlyFans und Denim Shorts wo der halbe Arsch raus hängt ist trend. Ist es normal? WOLLEN wir das das normal ist? Okay, es sind evtl extreme Beispiele aber das passiert tatsächlich gerade in der Welt. Was ist das eigentliche Ziel hinter der Normalisierung?

Was wohl Socrates und Viktor Frankl dazu gesagt hätten, wenn sie aufgehört hätten Sachen zu „überdenken“?

Ich frage mich oft, ob ich in dieser Hinsicht „viel zu“ traditionell oder konservativ aufgewachsen bin. Kann sein. Allerdings ist es auch in meiner Natur die aktuellen Trends zu hinterfragen, eigentlich auch alles zu hinterfragen und über meiner persönlichen Position zu reflektieren. „Overthinking“ wird es im negativen Sinne genannt. Was wohl Socrates und Viktor Frankl dazu gesagt hätten, wenn sie aufgehört hätten sachen zu „überdenken“? Zurück zum Thema.

Um diese Antwort etwas näher zu kommen und da ich so ein Fan von Definitionen bin, war für mich zuerst die Frage, was ist normal? Was ist Normalität? Zu finden sind Synonyme wie: standard, typisch, der Regel entsprechend, durchschnittlich, üblich, selbstverständlich, gesund. Also, das Erste was ich denke – langweilig. In einer Welt in der Ordnung und Chaos zusammen koexistieren müssen und in der zu viel von einem zum gefährlichen Ungleichgewicht führt, ist es jedoch ein absolutes Muss. Wir brauchen Normal. Wir brauchen auch Abnormal. 

Wären graue Augen genauso bewundernswert, wenn jeder sie hätte?

Nein, meiner Ansicht nach sollten viele Themen NICHT normalisiert werden. Viele dürfen einzigartig bleiben. Wird eine Blume oder ein Edelmetall nicht geschätzter, desto rarer sie/es ist? Wären graue Augen genauso bewundernswert, wenn jeder sie hätte? Nein! Und ist da nicht was faszinierendes und schönes darin?

Im Falle der psychischen Krankheit und des Drogenkonsums. Cannabis wird als Lifestyle gehyped, depressive Menschen bekommen für ihren Zustand auf soziale Medien Anerkennung…es geht inzwischen so weit, dass schwerst anorektische Mädchen Millionen Follower gewinnen, Kindermodells auch wobei bei vielen die meisten Follower dann mysteriöserweise Ü40 Männer sind.

Mac Miller wird als Legende gefeiert, er starb nach jahrelangem Kampf mit psychischer Gesundheit und Cannabiskonsum, wie viele Künstler, am Ende an Drogenüberdosis (Fentanyl glaub ich). Die Schuld bekommt Fentanyl. Aber keiner denkt daran, dass er jahrelang vor der ganzen Welt fast 24/7 Gras rauchte, dass dies ein Hilfeschrei war? Dass sein Tod schon lange vorher anfing, langsam aber stetig vor allen Augen zu sehen? Und ja, er hat tolle Musik gemacht, er war ein toller Mensch. Und dennoch…stoßen viele auf einen gemeinsamen Joint in Mac Millers Ehre und verschwenden keinen weiteren Gedanke daran. Tausende Menschen liken das Bild eines lebens-gefährdeten anorexischen Mädchens. Hat sich jemand Gedanken gemacht, was das psychisch bewirkt? Sind diese Mädchen dadurch geheilt worden? Höchstwahrscheinlich nicht.

Ja, ich bin für Sensibilisierung und Aufklärung. Ja, ich find Akzeptanz und Wahrheit ein wichtiger Schritt. Und ja, der Austausch und der Zusammenhalt ist richtig und notwendig. Wird auch zB im erfolgreichen 12-Steps Programm von AA erwiesen, dass Gemeinschaft und die offene und ehrliche Kommunikation miteinander, die radikale Akzeptanz, für die Heilung fundamental ist. Die o.g. Fälle aber als neue Normalität? Ist das erstrebenswert? Es ist jedes Mal eine traurige Geschichte und das oberste Ziel sollte sein, dass es die Ausnahme anstatt die Regel bleibt. Oder?

Wir brauchen Normal. Aber wir brauchen auch Abnormal.

Ich verstehe diesen Hype einer Trennung auch nicht. Ich bin von Natur aus Fan von Bindung und Zusammenhalt. Auch wenn du eine Scheidung durchmachen musst, ist das keine Zelebration…es ist was sehr trauriges! Ich verstehe den Wunsch nach Bestätigung indem man seine Entscheidung zelebriert. Ist aber, im Falle einer Scheidung, die Tat der Scheidung ein Anlass zur Zelebration? Nein! Es ist vielleicht deine Lehre, deine Mut von neu anzufangen, dass du für deine Grenzen einstehst, dass du Eigenständigkeit gewinnst. Das kann man feiern. Und klar, wenn ein anderer Partner nicht mitzieht bzw. du dies innerhalb der Partnerschaft nicht ausleben kannst, dann bleibt nichts übrig als zu gehen. Natürlich! Aber ist das eine Feier? Wollen wir nicht, im tiefsten Herzen, eine sichere Partnerschaft? Ist es nicht schade, dass dieses Ideal verloren geht? Lernen wir durch die Normalisierung der Scheidung, beziehungsfähiger zu werden? Ich glaube nicht.

Die Krise macht die Lektion. Aber nicht die Normalisierung. Reden darüber hilft, um aus andere Erfahrungen zu lernen. Die Normalisierung dessen jedoch nicht. Für mich ist single sein easy. In der Beziehung lagen meine größten Lektionen. Aber jeder hat sein eigener Lebensweg, und das ist gut so. Und selbst wenn du gerne für den Rest des Lebens lieber alleine leben möchtest, ist das auch vollkommen in Ordnung. Hoch lebe die Freiheit. Leben und leben lassen. Willst du jedoch dass das etwas „Normales“ ist? Warum willst du das?

Meine Absicht ist es, zum Denken anzuregen. Zu Hinterfragen.

Genauso gilt es für Abtreibungen. Dies wird inzwischen als „Recht der Frau“ gefeiert. Entschuldigung bitte, aber sein eigenes Kind umzubringen soll zur Ermächtigung der Frau zählen? Ist es nicht etwas ganz trauriges, dass du aus z.B. psychosozialen Umständen dich für den Mord entscheidest? Oder selbst bei einer Vergewaltigung, ist es Recht und richtig, eine gewaltige Tat mit Gewalt zu beenden? Wie viele Frauen haben trotz schlimmer Taten sich doch für die Geburt des Kindes entschieden, und wie viele dieser Kinder haben später in Dankbarkeit das Leben in voller Zügen gelebt? Viele. Nein, die Abtreibung soll nicht normalisiert werden. Möglichkeiten und Ressourcen für Frauen in dieser Situation soll gefördert und normalisiert werden. Ja, ich sag das als Frau. Werde ich jetzt dafür gecancelled?

Alles steht zur Diskussion. Es ist nur meine Ansicht und ich könnte stundenlang darüber diskutieren. Über jedes Thema tatsächlich. Meine Absicht ist es, zum Denken anzuregen. Zu Hinterfragen. Vielleicht kurz Pause zu machen bevor mit dem Schwarm geschwommen wird.

„Mir hat es NICHT geholfen, zu wissen dass hunderte andere Menschen an Borderline oder Essstörung leiden.

So viele Krisen die uns umgeben, so viele Menschen die das innerliche für das äußerliche getauscht haben, so viel spirituelles bypassing, so viele psychisch Belastete, so viele die mit Drogen und Medikamenten sich vom Leben betäuben…die Welt braucht mehr Stabilität und eine Vision. Soll diese Vision das „Normale“ beinhalten? Oder eine Vision, die uns dazu inspiriert, unsere beste Version zu sein? Ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, mir hat es NICHT geholfen, zu wissen dass hunderte andere Menschen an Borderline oder Essstörung leiden. Mir hat geholfen, zu lernen wie es sein kann, gesund zu sein. Wie es aussieht. Dass es eine Wahl gibt. Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit, Selbstliebe, Selbstermächtigung, und Selbstverantwortung. Dass ich Rückhalt durch Familie, Freunde und Psychologen erfahren konnte. Die vielen Podcasts, die Bücher, der Erfahrungsaustausch. Die Informationen, die Erkenntnisse und üben, üben, üben. Und Glauben. NICHT, das normalisieren. Sondern zu wissen, dass ich nicht alleine bin.

Ich glaub die Frage ist eher nicht, soll es normalisiert werden? Sind wir normal? Will ich normal sein? Sondern eher… was steckt hinter dem Bedürfnis zu Normalität? Ist es mehr Anerkennung? Mehr Toleranz? Mehr Ressourcenverfügbarkeit? Mehr Chancen? Mehr Stabilität? Bestätigung? Eine Community von Gleichgesinnten? Hierin liegt, meiner Ansicht nach, der Kern. Und die Normalisierung nur eine kurzes Pflaster für ein Symptom, dass das Bedürfnis leider jedoch oft nicht nachhaltig stillt.

Wo wären wir, ohne einen Nordstern?

Nehmen wir mal ein schöneres Beispiel: die der Hetero- und Homosexualität, und alle weitere Varianten die inzwischen mit inbegriffen sind (auch die Geschlechtsdysphorie). Es ist schön, dass es euch gibt, dass wir unsere Sexualität bekennen und die Wahl haben. Liebe ist Liebe und wenn wir die Liebe zum anderen oder gleichen Geschlecht wählen (oder spüren) dann ist es so. Pure Liebe ist schön, vor allem die Selbstliebe, die Selbtbekennung. Bleiben wir jedoch bei den Fakten, die Mehrheit der Weltbevölkerung ist Heterosexuell. Bedeutet dass, dass die Minderzahl weniger Wert ist? Nein. Bedeutet das, dass die Minderheit Falsch ist? Natürlich nicht! Die Minderheit ist die Minderheit. Nichts mehr und nichts weniger. Wie Linkshänder auch eine Minderheit sind. Und? Warum soll das „normalisiert“ werden? Was heißt, wiederum „normalisiert“? Es ist, in strengster Definition, NICHT Normal. Ist aber abnormal was schlechtes? Ich hätte gedacht, wir wären über solche altmodischen Gedanken schon längst hinweg.

Im Endeffekt ist keiner in jedem Aspekt des Lebens „normal“, in meinem Glauben sind wir sogar alle in „Sünde“ geboren. Das Wort Sünde wird oft negativ bewertet, ist in meiner Ansicht jedoch eher ernüchternd und entlastend. Vielleicht sogar schön. Und vielleicht streben wir alle in verschiedenen Bereichen in gewisser Weise „Normal“ zu sein, je nachdem was das für uns bedeutet. Nehmen wir in diesem Falle den Ursprung des Wortes, also die Norm, den Maßstab, ein Richtwert. Dann muss ich an Sachen wie die zehn Gebote, den edlen achtfacher Weg, das Familienleitbild, an Jesus denken. Und ich persönlich, finde es sehr schön, überhaupt diese als meine Orientierung zu haben. Im Endeffekt, wie sich Fingerabdrücke von Person zu Person unterscheiden, unterscheiden sich auch die persönlichen Visionen, die persönliche Normalität, die persönlichen Maßstäbe. Aber keiner ist Perfekt! Egal ob Normal oder Abnormal. Lass uns die wichtigen Faktoren betrachten, für die Gemeinschaft, für das grosse Ziel, das was wir wirklich „normalisieren“ möchten…wie wäre es mit Respekt und Höflichkeit, Menschlichkeit und Mitgefühl, Kommunikation und Intimität, Freiheit und Grenzen, Zugehörigkeit, mit Konfliktbewältigung und Frieden?

Wo wären wir ohne unseren Nordstern?

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Estrella Piechulek

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